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No, no, I don’t want Aloe Vera! It will take away the tan! — Lorena

Englisch Abschlusstext: Health Care – People, not Profit

Unser gesamter Englischkurs handelte über das kritische Schreiben auf der Basis von Aussagen anderer. Politikwissenschaftler A sagt dies und das, Prostituierte B behauptet etwas anderes. Obwohl ich mit A’s Logik mehr anfangen kann, überzeugt mich das prickelnde, erfahrungsbasierende Argument von B – so in etwa.

Mein Abschlusstext handelt über das von mir gewählte Thema Gesundheitssystem. Ich wollte das amerikanische System verstehen und endlich dahinterkommen, warum ein Staat nur so doof sein kann, kein soziales Auffangnetz für seine Bewohner bereitzustellen. In meinem “Research Paper” ziehe ich Vergleiche zwischen den Briten, Franzosen, Deutschen, Japanern und Amerikanern – und stelle fest, dass auch das deutsche/österreichische System seine Macken hat – nämlich auf der Ärzte-, nicht auf der Patientenseite. Deutsche Ärzte werden unterbezahlt, zumindest am Vergleich anderer Staaten gemessen.

Die Thesis meines langen Aufsatzes kann mit diesem Zitat von “Frontline” zusamengefasst werden:

“When it comes to treating veterans, we’re Britain or Cuba. For Americans over the age of 65 on Medicare, we’re Canada. For working Americans who get insurance on the job, we’re Germany. For the 15 percent of the population who have no health insurance, the United States is Cambodia or Burkina Faso or rural India.”

Um den Blog nicht in die Luft zu sprengen, verstecke ich meinen Text Health Care – People, not Profit” hinter dem folgenden Link…:

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Zeit mitzutratschen, werter Leser! Kein Tratsch - 0 Kommentare

Sushi Sushi in der Wüste

Am SMC Film Festival (organisiert vom SMC Filmclub) sehe ich mir einen Film namens “Amelia” an. Ein Horror-Kurzfilm, gedreht in unserem Apartmentgebäude. Den Regisseur des Films habe ich schon einmal in meinem Apartmentgebäude getroffen, der Hauptdarstellerin bin ich auf der Busstation über den Weg gelaufen – beide wohnen lustigerweise direkt gegenüber von meinem Apartment, am anderen Ende des Innenhofs. Jener Regisseur ist Vollblutjapaner (inklusive Akzent), internationaler Student am SMC (wie ich) und heisst Hiroki (hier sein Blog). Nach dem Filmfestival – beim Gratis-Pizza-Essen – beginnen wir zu quatschen, und er schlägt vor, das nächste Filmprojekt gemeinsam aus dem Boden zu stampfen.

Reis, Sprite und vollgekotzter Teppichboden

Wir treffen uns einige Tage später in meinem Zimmer. Hiroki bringt eine Spriteflasche mit, und traditionsgemäss setzen wir uns auf den Boden. Wohlgemerkt, wie in allen amerikanischen Studentenboden, beiger Teppichboden. In meinem speziellen Fall, Teppichboden mit eingetrockneter Katzenkotze. Seltsamerweise haben die Katzen meines Roommate Ryu das Bedürfnis, im Fall einer Magenverstimmung oder eines Haarknäuels ihre Speibe in meinem Zimmer abzusetzen.
Wie auch immer, wir essen Reis, trinken Sprite und diskutieren über die Art von Film, die wir gemeinsam machen wollen. Hiroki’s Rahmenbedingung: Ein Actionfilm soll es sein. Meine Voraussetzung: In der Wüste soll er spielen. Perfekt, also ein Actionfilm in der Wüste.

Über mehrere Treffen hinweg entwickelt sich eine einzigartige Story – mit einem einzigartigen Anfang und Konzept, aber ohne Mittelteil, Klimax oder Ende. Unsere Ideen gehen zur Neige, und wir entscheiden uns, “Location Scouting” zu gehen – nämlich als kleines Team vor Ort den Schauplatz begutachten, Kamerawinkel für die tatsächlichen Aufnahmen finden und Logistikfragen beantworten. Unser Zielort: Der El Mirage Dry Lake, ein ausgetrockneter, spiegelglatter See zwei Stunden nördlich von Los Angeles. Hier wurde schon das Knight Rider Intro gedreht.

Auf den nassen Trockensee

Hiroki hat eine Canon EOS 7D, eine unendlich geile DSLR mit Videofunktion (FullHD, 1920×1080 Pixel) – diese Kamera werden wir mitnehmen, um unseren Drehort abzufilmen. Ich rufe rein sicherheitshalber bei der Verwaltung des El Mirage Dry Lake an und erkundige mich um den Wetterstatus. “It’s beautifully sunny here!”, sagt die Dame, die wohl in der Mitte der Wueste lebt.
“So, we want to drive on the lake, is that ok then?”
“Oh, no-no-no, there was a long rain period and the lake is muddy! It’s forbidden to drive on the muddy lake!”

So viel dazu. Ich setze mich mit Hiroki vor Googlemaps und begebe mich mit der “Fotos anzeigen”-Funktion auf eine virtuelle Rundreise durch Südkalifornien. Wir wollen nicht allzu weit fahren – und finden prompt einige ausgetrocknete Seen, Militärbasen, verlassene Panzer und Flugzeuge und sonstige seltsame Orte. Unter anderem scheinen die Kelso Dunes auf – grosse Sanddünen inmitten von steiniger Wüste. Grossartig. Wir kompilieren eine Route und ich bekomme über Facebook eine Nachricht von Kevin – ein Bekannter aus dem Filmclub. Er meldet Interesse an, mit in die Wüste zu kommen und von einem zweiten Auto aus zu filmen – springt ein paar Stunden später allerdings wieder ab. Nichtsdestotrotz borgt er uns seine billig-Steadicam und sein Shotgun-Mikrofon, welches einwandfrei auf den Blitzschuh der 7D passt. Bis spät in die Nach lese ich Überlebenstrick-Sammlungen online: Wie viel Wasser braucht man, was sollte man im Falle einer Elefantenherdenattacke tun, und so weiter…

Letzte Vorbereitungen

Der Pontiac Firebird gefüllt mit nutzlosem Krampf - von grossen, hölzernen Trägern bis hin zum Bügeleisen und Staubsauger.

Der Pontiac Firebird gefüllt mit nutzlosem Krampf - von grossen, hölzernen Trägern bis hin zum Bügeleisen und Staubsauger.

Bevor irgendeine Reise losgeht, sollte man sein Auto checken. Speziell, wenn es bereits 18 Jahre alt ist. Der Mechaniker meines Vertrauens, Kami, ist u.a. auch als Flugzeugmechaniker tätig und sein Geld tausendmal wert. Zwei Stunden lang inspizieren seine Jungs meine Karre, ich sitze derweil gestresst auf einem grossen Ledersofa in seinem Wartezimmer und lese Frauenmagazine während im Hintergrund die Pingeligkeits-Serie MONK läuft. Mit einem verbissenen Mund kommt Kami aus der Werkstatt.
“You wanna take the car to where again?”
“To the desert!”
“Really …. listen, there are many problems, I wouldn’t do it. Get a rental car. Look, the break hoses are about to burst, the radiator and transmission pipe to it are bent and need to be replaced, the back brakes don’t work, the radiator fan doesn’t turn … we tried to make a makeshift solution, but nothing worked…”
“Oh. Thanks. What do I owe you?” – 60$ glaube ich, war der Tarif.
“Nothing. But really, get a rental car.”

Ich bin den Kerlen so dankbar für ihren Ratschlag. Und noch dazu gratis – das waren locker drei Mannstunden. Also natürlich nicht mit meinem Auto in die Wüste – berstende Bremsleitungen, das ist ja purer Selbstmord.

Zu zweit im gelben Feuerteufel

Zurück in der Corinth Avenue sitzen Hiroki und ich vor seinem Laptop und suchen nach Autovermietungen. 75$ pro Tag, 100$ pro Tag, nein danke $ pro Tag. Wir wollen nur einen Minifilm drehen, kein grosses Budget aufstellen.
“You know what, fuck it. Let’s take my car.”
Als Filmemacher muss man einfach Risiken nehmen – grossartige Sachen ziehen die Gefahr magisch an.

Ich packe allen möglichen Krempel in meinen Pontiac Firebird – allen Krempel, den ich in meinem Apartment finden kann – und drehe den Schlüssel in der Zündung.
WROOOOOMMM – ein Geräusch, das wir dieses Wochenende noch öfter hören werden. Wir machen uns auf in Richtung Osten, vorbei an Downtown LA, vorbei an den Pferderennbahnen vom Nordosten von Los Angeles, hinaus aus der Stadt. Als wir in einen Stau kommen, beginnt das Innere des Autos zu stinken. Ein Blick auf den Kühlflüssigkeitspegel verrät, dass die Suppe heftig am Dampfen ist. Ich fahre zur Seite, hieve die Motorhaube auf und höre die Kühlflüssigkeit fröhlich brodeln. Heilige Scheisse, kaum sind wir aus der Stadt draussen, wird die Horrorvision unseres Mechanikers Realität. Da heisst es jetzt nur kühlen Kopf bewahren…

Kaum haben wir die Stadtgrenzen hinter uns gelassen, dampft es unter der Haube des Firebird - das Auto braucht wohl eine Pause.

Kaum haben wir die Stadtgrenzen hinter uns gelassen, dampft es unter der Haube des Firebird - das Auto braucht wohl eine Pause.

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The Bridegroom: Entwickelte Fotos

Die Fotos vom riesigen Studenten-Filmset “The Bridegroom”.

Das grösste Studentenfilmset, das ich bisher gesehen habe: “The Bridegroom”. 50.000$ Budget, 30 Crewmitglieder, 20 Komparsen und eine geliehene 35mm-Filmkamera von Panavision. Ich lerne einen Haufen nützlicher Lektionen, während ich Setfotograf für diesen ambitionsbetuchten 1950er-Film spiele.Lektionen, die man nur am Set (und nicht im Klassenzimmer) lernen kann – und werde obendrein auch noch als Mini-Schauspieler besetzt.

Als Setfotograf nehme ich natürlich nicht nur Behind-the-Scenes Bilder auf, sondern kümmere mich auch darum, möglichst viele tatsächliche Szenen zu fotografieren – von der Perspektive der Filmkamera aus. Das gibt natürlich immer wieder Ärger mit den Regieassistenten, der mich wutschnaubend aus dem Zimmer weist, weil ich jedermanns Weg blockiere oder während des Setups in den Rahmen der Kameraaufnahme komme. Den Ärger ist es dann allerdings wert, als ich die Fotos ausdrucke und den Leuten am Filmset zeige. Dank Photoshop kann ich das Format (Anamorphic, ein Ultra-Breitbild-Format) per Letterboxing imitieren – und mit verschiedenen Überlagerungseffekten die Sättigung, Körnigkeit, ungleichmässige Leuchtkraft etc. eines tatsächlichen Filmdrucks imitieren. Nett, denn so können sich Regisseur und Team bereits vorstellen, wie der Film in etwa aussehen könnte.

Vorher - Nachher, samt der Photoshop-Anordung verschiedener Layer. So muss ich jedes Bild individuell nur ein wenig bearbeiten und es dann unter den Haufen Filter legen, der es "filmig" aussehen lässt.

Vorher - Nachher, samt der Photoshop-Anordung verschiedener Layer. So muss ich jedes Bild individuell nur ein wenig bearbeiten und es dann unter den Haufen Filter legen, der es "filmig" aussehen lässt.

Die Beleuchtungscredits gehen – abgesehen von den Tageslicht-Szenen – natürlich an dem Cinematographen, Matthias Königswieser.

Ein Shot, der im Film nicht zu finden sein wird

Ein Shot, der im Film nicht zu finden sein wird

Jodi Harrison. Dieser Shot wird im Film nicht zu finden sein - zu offensichtlich

Jodi Harrison. Dieser Shot wird im Film nicht zu finden sein - zu offensichtlich

Dieser Shot wird im Film nicht zu finden sein - zu gutaussehend für die 50er Jahre.

Tobias Deml, Setfotograf. Dieser Shot wird im Film nicht zu finden sein - zu gutaussehend für die 50er Jahre. Danke an Luis Selgas fürs Aufnehmen!

Dieser Shot wird im Film nicht zu finden sein.Dieser Shot wird im Film nicht zu finden sein. Luis Selgas, Jodi Harrison.

Luis Selgas, Jodi Harrison. Dieser Shot wird im Film nicht zu finden sein.

Konversation

Konversation

Hart Turner, Luis Selgas, Genevieve Farrell. - Vorbereitung

Hart Turner, Luis Selgas, Genevieve Farrell. - Vorbereitung


Luis Selgas, Jodi Harrison. Eiskalt.

Luis Selgas, Jodi Harrison. Eiskalt.

Luis Selgas. Der Musterstudent

Luis Selgas. Der Musterstudent

Jodi Harrison, Luis Selgas. Familientreffen

Jodi Harrison, Luis Selgas. Familientreffen

Jodi Harrison. Dieser Shot wird im Film nicht zu sehen sein - Rauchen ist Böse

Jodi Harrison. Dieser Shot wird im Film nicht zu sehen sein - Rauchen ist Böse

Komm mit mir in die grosse Stadt, Junge...

Komm mit mir in die grosse Stadt, Junge...

Auf der Farm

Auf der Farm

Auf der Farm 2

Auf der Farm 2

Ertappt

Luis Selgas, Jodi Harrison, Hart Turner. Ertappt

Hart Turner, Luis Selgas. Konfrontation

Hart Turner, Luis Selgas. Konfrontation

Hart Turner, Luis Selgas. Konfrontation2

Hart Turner, Luis Selgas. Konfrontation2

Mehr Fotos auf Facebook:
Album 1
Album 2

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The Bridegroom: Ein Mega-Studentenfilm

Im Filmclub gibt es einen Studenten namens Mustafa. Ich nenne ihn seit Kurzem Mufasa, der Ähnlichkeit zum Disney-Löwen wegen. Wie auch immer, jedenfalls werde ich im Filmclub immer wieder gebeten, ein Poster oder ein Fotoshoot für eine der Produktionen zu designen. In den Büroräumlichkeiten der Studentenregierung stolpere ich immer wieder über Mustafa’s Mähne. Er war derjenige, der mich zum Machen eines kurzen Dokumentarfilms (Faces of Venice) inspirierte – vor ein paar Monaten zeigte er einen kurzen Dokumentarfilm über einen Mann, der Scheren herstellt und über George Bush herlästert. Den Film hat er damals nur gemacht, um ihn in ein Filmfestival einzureichen und gratis Eintrittskarten zu bekommen – würde er keinen Film eingereicht haben, hätte eine Eintrittskarte 1500$ (etwa zwei dunkle Bier) oder so gekostet.

Eines Tages schreibt er mir eine Email – er arbeitet als Produzent für einen UCLA-Studentenfilm und bräuchte einen Setfotografen. Es handelt sich um einen Film, der in den 1950er-Jahren spielt und Verrat und Betrug in wohlhabenden Kreisen als Thema hat. Das Budget: Etwa 50.000$. Mir klappt die Kinnlade herunter – woher kommt das ganze Geld?!
“We are getting all kinds of grants from UCLA” – also Filmförderungen von der Universität. In Amerika sprechen wir immer von anderen Grössenordnungen als in Österreich – wo man auf der TU vielleicht 500 Euro für einen Studentenfilm gesponsert bekommt, tanzen hier Förderungen jenseits der 10.000$ an – und zwar von einer öffentlichen Universität.

Tag 2: Das viktorianische Haus in Pasadena

Am ersten Tag des Shoots habe ich keine Zeit und erlaube mir, vom Set fernzubleiben. Am zweiten Tag geht es dann über eine wunderschöne Bundesstrasse in das ländliche Pasadena. Ich betrete ein viktorianisches Holzhaus mit dunklem Eichenboden, von Plastikfolien bedeckt. Menschen mit Headsets und Walkie-Talkies flüstern, im Obergeschoss höre ich Anweisungen des Regisseurs. Nachdem ich das magische Stichwort “Cut!” vernehme, schleiche ich mich nach oben. Ein hell erleuchteter Raum mit etwa zehn Crewleuten darin, unter ihnen ein schlacksiger Österreicher im Unterhemd, mit einem Shirt das zum Schal umfunktioniert um seinen Hals hängt. Er ist der Director of Photography am Set, ein weit gereister und erfahrener, sehr gmiadlicher Kerl. Das Set ist alles andere als gschmuftig – Leute laufen schnellen Schrittes  durch enge Türen, überall liegen Kabel herum, drei Männer hieven die riesige, locker 40kg schwere Panavision-Filmkamera von einer Position in eine andere, es werden Befehle gerufen und Aufgaben ausgeführt.

Ich treffe den Regisseur – ein sehr junger, leicht bärtiger Mann mit Kappe, der gerade seinen Abschlussfilm wie ein Weltmeister verwirklicht – und bekomme von ihm den Auftrag, Fotos zu schiessen, die so ähnlich wie die Shots der Kamera aussehen sollen.
“You don’t have to take behind the scenes shots, just the shots that look like what the camera gets”, meint er.
Mustafa kommt um die Ecke geschlurft, er ist als Produzent bestimmt einer der un-gestresstesten Leute am Set: Seine Aufgaben sind grossteils bereits vor der Produktionsphase erfüllt – und werden reaktiviert, sobald das Ding im Kasten ist. Als Produzent kümmert er sich beispielsweise ums Budget, die richtigen Crewleute, die Ausstattung, verschiedene Gebühren etc. – und in der Postproduktion kümmert er sich um die Fertigstellung des Films, der Einsendung an Filmfestivals und so weiter.

Mustafa führt mich am Set herum: Er hat einen 20-Tonnen-Truck persönlich hierher gefahren, zwei weitere Trucks wurden von anderen Fahrern gebracht. In den Trucks: Ausrüstung, und zwar eine Menge davon. Lichter, Reflektoren, Folien, Ständer, Pfeiler, Gerüste, Stative, Isolationen, kleinere Wägelchen, Kabel und aller andere vorstellbare Filmsetkram. Auch am Set: Ein Doppelgenerator, der irgendwo zwischen 50.000 und 100.000 Watt produzieren dürfte.  Ich wackle hinter Mustafa her, komplett fasziniert vom professionellen Level der Produktion; dieses Set kann sich mit mittelgrossen Werbefilm- oder kleineren Feature-Filmproduktionen messen.

Wohnzimmer lassen sich prächtig für Kameraarbeiten verwenden

Wohnzimmer lassen sich prächtig für Kameraarbeiten verwenden

Spieglein, Spieglein an der Wand. V.l.n.r: Regisseur, Gaffer/Mister Elektrik, Regieassistent Nr.1, Cinematograph (viva la Austria) und der Hauptdarsteller von "The Bridegroom".

Spieglein, Spieglein an der Wand. V.l.n.r: Regisseur, Gaffer/Mister Elektrik, Regieassistent Nr.1, Cinematograph (viva la Austria) und der Hauptdarsteller von "The Bridegroom".

Der fette Generator und zwei der drei Trucks von innen gesehen

Der fette Generator und zwei der drei Trucks von innen gesehen

Das Innenleben einer Filmkamera

Das Innenleben einer Filmkamera

Eine der Aufzeichnungen, die der zweite Kameraassistent bei jedem Shot anfertigt

Eine der Aufzeichnungen, die der zweite Kameraassistent bei jedem Shot anfertigt

Am Dreh in einem kleinen Bibliothekszimmer: Hier wird gerade eine Mordszene vorbereitet.

Am Dreh in einem kleinen Bibliothekszimmer: Hier wird gerade eine Mordszene vorbereitet.

Tag 3: Die Farm

Am zweiten Tag des Shootings bringe ich Hiroki – einen Freund aus dem Filmclub der auch in meinem Apartmentgebäude wohnt, direkt gegenüber, auf der anderen Seite des Innenhofs – mit mir aufs Set. Er hat eine Canon 7D, eine Digitale Spiegelreflexkamera mit Videofunktion. Die Qualität des Videos: Unmenschlich. Jedenfalls schreibe ich gemeinsam mit Hiroki ein Skript für einen Kurzfilm und möchte ihm die Erfahrung eines grossen Filmsets ermöglichen – denn in Sachen Film gibt es keinen besseren Platz zum Lernen als direkt am Set selbst.

Direkt nach der Uni fahre ich mit Hiroki aufs Land hinaus – das Set ist eine Farm im Norden von Los Angeles. Wir parken den Wagen und laufen selbstbewusst eine Einfahrt hoch, nur um von einem älteren Herrn und keinem Filmteam begrüsst zu werden. “What arrrre you doing here?!”
“Oh, is this not the film set?”
Eine alte Hexe kommt aus dem Haus gehumpelt. “TRESPASSING! YOU ARRRRE TRESPASSING!”
Der alte Herr setzt eine finstere Miene auf. “Better get off the property before she gets the gun and shoots you!”
Die beiden sehen nicht zum Scherzen aufgelegt aus, also verziehen wir uns.

Das tatsächliche Filmset ist auf der anderen Strassenseite. Ich sehe den 2nd AD (zweiter Regieassistent, er ist für das Erstellen des Call Sheets/Zeitplans zuständig) mit Winterkleidung an einem Tisch sitzen. Vor ihm ein Berg von Essen auf zwei weiteren Tischen, hinter ihm grosse blaue Zelte, die wohl für Makeup benutzt werden.
“I will call the shuttle for you guys, hold on a second!”

Zwei Minuten später hören wir per Walkie-Talkie “That’s a wrap!”. Das Shuttle kommt trotzdem und fährt uns etwa zehn Minuten tief in das Grundstück hinein auf eine Anhöhe, nahe zu einem Schuppen. Alle sind bereits am Einpacken. Naja, wenigstens eine schöne Aussicht. Als kleines Extra für die Schlüsselfiguren am Set habe ich die Setfotos der letzten Tage bereits druckfrisch mit mir mit. “Wow, your printed them already!”
Na klar, Ehrensache.

Tag 4-6: Das fette Estate

Vom vierten bis zum sechsten Tag – Wochenende – halten wir uns in einem riesigen Anwesen auf, ebenfalls vorsintflutliche Architektur, zwei riesige Gästehäuser, eine riesige Villa  als Haupthaus, ein grosser Rasen mit hässlichen, kleinen Statuen. Ich tanze gemeinsam mit Hiroki zwischen den gemieteten Lastwägenhindurch, über die riesigen 16.000 Watt-Lampen hinweg ins Innere des holzfurnitierten Hauses. Eine Augenweide – hässliche 50er-Jahre Einrichtung; direkt vor dem grossen Flügel, der von schweren, beigen Vorhängen umgeben wird, steht ein schwerer Vollmetall-Kameradolly, beladen mit der grossen Panavision-Kamera und unserem österreichischen DP, heute in weniger schwitziger Kleidung. Alles wuselt im Set; aussen am Rasen stehen die Extras (Komparsen) herum und tratschen.

Zur Mittagszeit kommt dann noch ein grösserer Lastwagen an – und zwar mit einem 10-Meter Kran. Ein paar Männer der Chapman Universität bauen den Kran in der Mitte des Rasens auf. Während sie die Kamera fixieren, tippt mich die Kostümdesignerin – eine schrullige und sehr nette Frau mit weit aufgerissenen Augen und konstantem Lachen auf dem Gesicht – auf die Schulter. “Hey, do you wanna be our valet?”
Ich blicke über ihre Schulter. Drei 1950er-Oldtimer-Autos sind auf der grossflächigen Einfahrt startbereit. Ich denke noch daran, wie ich sie denn als Valet-Junge fahren könnte, da zerrt mich die Kostümiererin schon in eines der Nebenhäuser und drückt mir ein schickes Kostüm in die Hand. “Here, it’s gonna fit you!”
So werde ich dann für die nächsten drei Stunden zum Valetjungen…

Der Wagen der Lichttechniker: Hier liegt nur das allernötigste

Der Wagen der Lichttechniker: Hier liegt nur das allernötigste

Grosses Set - viel Papierkram.

Grosses Set - viel Papierkram.

Ein enormer Kamerakran, der von der Chapman University gemietet wird.

Ein enormer Kamerakran, der von der Chapman University gemietet wird.

Das Set der vorletzten drei Tage: Ein grosses Anwesen mit zwei Gästehäusern und vielen Hintergrundschauspielern

Das Set der vorletzten drei Tage: Ein grosses Anwesen mit zwei Gästehäusern und vielen Hintergrundschauspielern

Die Extras (Komparsen) beim Aufwärmen

Die Extras (Komparsen) beim Aufwärmen

Darf ich Ihnen eine Fahrt anbieten?

Darf ich Ihnen eine Fahrt anbieten?

Uuuuund ... Action.

Uuuuund ... Action.

Vom Setfotografen zum Valetboy vor der Kamera: Auf diesem Set habe ich Karriere gemacht...

Vom Setfotografen zum Valetboy vor der Kamera: Auf diesem Set habe ich Karriere gemacht...

Jedes Crewmitglied ist per Walkie-Talkie erreichbar.

Jedes Crewmitglied ist per Walkie-Talkie erreichbar.

Der Soundmann beim Rumkramen in seiner Zaubertasche

Der Soundmann beim Rumkramen in seiner Zaubertasche

Hiroki, mein Filmemacherkumpel,  den ich aufs Set eingeladen habe

Hiroki, mein Filmemacherkumpel, den ich aufs Set eingeladen habe

Vom Produktionsdesigner persönlich zusammengestellt: Ein Haufen Geschenke für eine der Szenen.

Vom Produktionsdesigner persönlich zusammengestellt: Ein Haufen Geschenke für eine der Szenen.

Die Aufzeichnungen des Script Supervisors: Auf der einen Seite eine Tabelle mit Shots und Takes, auf der anderen Seite das Skript mit Anmerkungen, was aufgenommen wurde und was noch einmal gedreht werden muss. Diese Aufzeichnungen kommen dann zum Filmschnitter, der sich so die einzelnen Clips besser zurechtlegen kann.

Die Aufzeichnungen des Script Supervisors: Auf der einen Seite eine Tabelle mit Shots und Takes, auf der anderen Seite das Skript mit Anmerkungen, was aufgenommen wurde und was noch einmal gedreht werden muss. Diese Aufzeichnungen kommen dann zum Filmschnitter, der sich so die einzelnen Clips besser zurechtlegen kann.

Mit der Kamera wird eine 180°-Runde um die versammelten Partygäste gedreht. Man bemerke die Beleuchtung, die mit Holzklötzen an den Deckengiebeln befestigt ist.

Mit der Kamera wird eine 180°-Runde um die versammelten Partygäste gedreht. Man bemerke die Beleuchtung, die mit Holzklötzen an den Deckengiebeln befestigt ist.

Tag 7 – am Balkon

Hier werden nicht nur ein Kamerakran und riesige Reflektoren eingesetzt, sondern auch Stuntmänner. Am Letzten Tag filmt das Team die Verratsszene, bei der einer der Hauptfiguren in den Tod stürzen soll. Ich kann zwar nicht bis zum Drehende – drei Uhr früh – bleiben, aber stapfe tapfer durch die kalte Nacht, um gute Fotos von den Schauspielern zu knipsen. Ich esse kein Mittagessen und komme direkt von der Uni zum Set, welches sich im Herzen des UCLA-Campus befindet – und muss herausfinden, dass es kaum mehr Essen gibt. Innerhalb von 40 Minuten ist das Essensproblem gelöst und Happa-Happa tanzt für alle an. Ich liebe das Essen auf Filmsets.

Am Set des letzten Drehtages; ein Balkon der UCLA

Am Set des letzten Drehtages; ein Balkon der UCLA

16.000 Watt - mit der Leuchtpower wird die Nacht zum Tag und man verbrennt sich die Finger bzw. bekommt einen Sonnenbrand, sobald man sich nur in die Nähe der Lampen wagt.

16.000 Watt - mit der Leuchtpower wird die Nacht zum Tag und man verbrennt sich die Finger bzw. bekommt einen Sonnenbrand, sobald man sich nur in die Nähe der Lampen wagt.

Gelernte Lektionen am Filmset

Auf einem so grossen Set mus man schon mächtig dämlich sein, um nichts mitzubekommen und aus den Erfahrungen zu lernen – Erfahrungen, die man nur am Set sammeln kann. Alle dieser Notizen sind positiv formuliert, obwohl viele davon auf Fehlern basieren, die ich während der Produktion mitbekommen habe. Ich notiere mir folgendes:

  1. Immer genug Essen parat haben. Eines der Crewmitglieder dafür verantwortlich machen, bei einer drohenden Essensdepression für Nachschub zu sorgen. (Damit sind Snacks gemeint; Mittag- und Abendessen werden verlässlich von einer beauftragten Firma geliefert).
  2. Beim Budget auf Faktoren wie den “versteckten” Kosten des Portapotti-Ausleerens, zusätzlichem Essen, teureren Gebühren oder mehr Zustellservice achten und einkalkulieren.
  3. Alles im Frame beleuchten, selbst Räume hinter Türen und Durchgängen. Diffuser benutzen, um das Licht schön weich zu machen.
  4. Immer die Distanz von Kamera zum Fokuspunkt (Subjekt) abmessen und aufschreiben, um alles für Reshoots parat zu haben.
  5. Beleuchtung vor dem tatsächlichen Shooting planen und aufzeichnen um Zeit zu sparen.
  6. Jede Szene mit den Schauspielern im vorhinein ausreichend üben, um am Set dann perfekte Leistungen zu bekommen.
  7. Per Storyboards die Positionen der wichtigen Schauspieler skizzieren und Aufstellungen für Extras planen (um am Set dann nicht für 20 Minuten Leute herumpositionieren zu müssen).
  8. Kleine Details planen, am Besten direkt am Schauplatz einige Wochen vor dem Shoot.
  9. Einige Produktionsassistenten (Mädchen für Alles) an Bord bekommen um kleinere Aufgaben zu erfüllen und einiges an Zeit zu sparen. Balance finden zwischen der Zeitersparnis/Nützlichkeit vieler PAs und deren durch Hunger produzierte zusätzliche Kosten.
  10. Für Filmförderungen (Geld, Equipment von Herstellern direkt) Ausschau halten.
  11. Positionen der Schauspieler mit einem “T” markieren – der Rumpf des Ts zwischen den Füssen, der Giebel des Ts an den Fussspitzen
  12. Einen Zeitrahmen für das Shooting bestimmen und jeder einzelnen Aufnahme ein Zeitbudget zuweisen, um keine Überstundensituation zu erzeugen. zB: Aufnahme 1 – 20 Minuten fürs Setup, 20 Minuten für 3 Takes – und nicht mehr.
  13. Falls man vom Sonnenlicht abhängig ist: Die Crew und Schauspieler für 7 Uhr früh bestellen, sodass man um 8.30 die erste Aufnahme machen kann.
  14. Unbedingt guten Sound vor Ort haben. Sound ist unterbewertet!!
  15. Das Timing von einem Schauspieler auf das Timing eines anderen basieren: “Otto, wenn Franz ‘Hallo Peter’ sagt, beginnst du dich in Richtung Tür zu bewegen. Sobald Otto die Klinke anfasst, musst du dich ducken, Lieselotte.”
  16. Den Schauspielern nicht nur Befehle geben, sondern auch versuchen, sie in das Handwerk des Regisseurs mit einzubeziehen. Sprich: Nicht nur sagen, was die Schauspieler machen sollen, sondern auch warum. “Gunthilde, dreh dich etwas schneller, und dann spring so schnell du kannst von dem Sprungbrett. Im finalen Schnitt wird diese Szene nämlich nur drei Sekunden lang sein, also musst du die ganze Bewegungsabfolge innerhalb dieser drei Sekunden bringen!” Dadurch wird es viel einfacher, mit den Schauspielern zu arbeiten.
  17. Auf einem grossen Set mit vielen Beteiligten: Unbedingt ein Shooting Permit bekommen und die Nachbarn vom anstehenden Filmdreh informieren. So erspart man sich viel Ärger und $$$ (Auf the Bridegroom stand die Produktion für etwa 4 Stunden still, weil ein Nachbar sich beschwerte und die Filmemacher keine Zulassung von der Stadtverwaltung hatten).
  18. Jedem Schauspieler signalisieren/sagen wann er gehen darf und sie routinemässig darum fragen, sich beim zweiten Regieassistenten abzumelden. So braucht keiner der Schauspieler zu lange bleiben und es wird sichergestellt, dass niemand zu früh abhaut.
  19. Wenn möglich, sollte jeder der Crewmitglieder Filz- oder Schaumstoffsohlen bekommen, um jegliche Bewegungen hinter der Kamera nicht auf den Soundtrack mit aufzuzeichnen.
  20. Die Crewmitglieder, die gerade am nächsten Shot arbeiten, um eine kurze Pause zu bitten während eine Aufnahme läuft. So hat man dann keine Schraub- und Hämmergeräusche auf dem Soundtrack. Am Besten lässt sich das mit dem Ruf des Regieassistenten “QUIET ON SET!” lösen.
  21. Reflektoren benutzen, um Licht von einem Platz zu einem anderen gelangen zu lassen.
  22. Dollyschienen immer mit Gleitmittel (zB. Politurspray) besprühen, um eine quietschfreie Fahrt zu gewährleisten.

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Zeit mitzutratschen, werter Leser! 4 Kommentare, hier wird getratscht

Dorritos Shoot und Superbowl

Eine Snackfirma in den USA, Dorritos, schreibt einen jährlichen Wettbewerb aus: Erstelle eine Dorritos-Werbung – und wenn du gewinnst, bekommst du 50.000$ und dein Werbefilm wird während dem grössten US-Fernsehspektakel des Jahres, dem Superbowl, gesendet!

Ein Mädchen aus dem Filmclub, Michaela, fühlt sich aufgerufen, eine ordentliche Produktion zu starten – und lädt mich aufs Set ein, um sie “in Sachen Licht zu beraten”. Auch wenn ich jetzt nicht gerade Meister Lampe persönlich bin, so habe ich doch ein recht gutes, visuelles Verständnis was Licht anbelangt. Also, gut, ab gehts. Ich nehme Josh (als 2. Kameraeinheit) und Carlos (ein Reporter vom Santa Monica College-internen Blatt “The Corsair”) mit in eine kleine Gated-Housing  Community mit. Gated Housing ist so etwas wie freiwillige Ghettos für Leute die nach Sicherheit und Vorstadtgefühl suchen.

Genau dieses amerikanische Vorstadtgefühl ist es, das meine Venen durchfliesst, als ich das Grundstück betrete: Ein gleiches Haus nach dem anderen, alle Eingangstüren, Dächer, Bäume, Rasen und Fenster sehen exactly the same aus. Ich würde mich hier sicher dauernd verlaufen, würde ich hier wohnen – schliesslich ist das Haus von meinem Nachbarn dasselbe wie meines.

Der Lamborghinimann

Der Lamborghinifahrer im persönlichen Gespräch. Coole Geschichten konnte der Onkel verzählen...

Der Lamborghinifahrer im persönlichen Gespräch. Coole Geschichten konnte der Onkel verzählen...

Beim Eintreten in das Haus treffe ich einen der Schauspieler; ein glatzköpfiger ehemaliger Rennfahrer, der mir von einem Werbespot für Lamborghini erzählt. Dabei war er der Fahrer des Lamborginis, der von zwei Helikoptern am Pacific Coast Highway gefilmt wurde… das Video konnte ich leider nirgendwo finden, aber seine Geschichte fasziniert mich: Durch seine Rennlizenz war er in einem Rennfahrerkatalog, den Lamborghini für ihr “Casting” benutzte.
“Can you come over to our lot and show us what you can?” – so wurde er auf eine Testfahrt eingeladen. Die Lamborghinileute gaben ihm einen Hütchen-Slalomkurs am Parkplatz zum Abfahren – zu langweilig allerdings für Mister Muskelmann und für die Lamborghinileute, die von dem Schlangenlinienfahren auch nicht sonderlich überzeugt waren.
“Can I show you what I really can do with that car?”
“Alright, show us.”
Mein neuer Bekannter benutzte den 1-Millionen-Dollar Wagen, um verschiedene Rutschmanöver auf dem Parkplatz in Beverly Hills zu absolvieren. Zum Beispiel mit der Schnauze voraus, Vollgas und gezogener Handbremse ein Donut rund um einen Betonpfeiler zu ziehen. Oder mit dem Heck Zentimeter weit an einer schroffen Wand vorbeidriften. Nach fünf Minuten beendete er seinen Testlauf und fuhr zurück zu den in Schweiss gebadeten Besitzern. “Never, NEVER do this again. You’re hired.”

Ein richtig wütender DP

Eigentlich hat mich Michaela gefragt, DP – Director of Photography / Cinematograph / Kameramann – für sie zu spielen. Im letzten Moment fand sie dann doch einen professionellen DP und heuerte mich als Art Assistent an. Man bemerke, dass es sich um eine komplett aus-der-Hosentasche finanzierten Studentenfilm handelt. Sollte er gewinnen, gibt es 50.000$ für die Filmemacher.
Als ich das Haus betrete, ist alles schön mit Plastikfolien ausgelegt, wie auf einem professionellen Set. Nach und nach tanzen weitere Key-Player auf dem Set an, wie zum Beispiel dem tatsächlichen DP. Gelockte Haare, 3-Tage-Bart, etwas mollig, etwas verbissene Miene. Niemand bekommt hier am Set etwas gezahlt, lediglich gratis Essen (gratis Essen sollte es auf jedem Filmset geben). Ich versuche, mit ihm ein Lichtsetup zu durchdenken, aber lasse recht schnell davon ab, um die Stimmung am Set gut zu halten. Während den Dreharbeiten gibt es dann grosses Drama; irgendjemand will etwas vom potenziellen 50.000$-Kuchen abhaben, Michaela wird emotional, der DP schmollt wie ein stinkewütendes Rumpelstilzchen.

Ich lerne wieder einmal, dass Film eine sehr soziale Kunstform ist, bei der die Qualität der Beziehungen der Künstler oftmals das Endergebnis bestimmen. Hier ein paar Fotos des Shoots:

Am Set, hier eine kleine Insertszene. Insgesamt waren es um die 25 Leute am Set.

Am Set, hier eine kleine Insertszene. Insgesamt waren es um die 25 Leute am Set.

Macht man auch "nur" einen kleinen Studentenfilm: Am Essen wird man pleite gehen - Crewleute sind im Durchschnitt 240% hungriger als der Rest der Bevölkerung.

Macht man auch "nur" einen kleinen Studentenfilm: Am Essen wird man pleite gehen - Crewleute sind im Durchschnitt 240% hungriger als der Rest der Bevölkerung.

Carlos, unser Fotograf vom Corsair Newspaper und Joschi Knaus, der als zweite Kamera Emotionen am Set verkraften durfte.

Carlos, unser Fotograf vom Corsair Newspaper und Joschi Knaus, der als zweite Kamera Emotionen am Set verkraften durfte.

Carlos und der Lamborghiniman vor der bis zum Horizont ragenden Pixar-artigen Vorstadtsiedlung mitten in einer Gated Community in Zentral-LA.

Carlos und der Lamborghiniman vor der bis zum Horizont ragenden Pixar-artigen Vorstadtsiedlungsstrasse mitten in einer "Gated Community" in Zentral-LA.

Der tatsächliche Superbowl – essen und geworben werden

Wenige Monate später sitze ich bei Mario, einem der Gedenkdiener in LA, in einem Hollywood-Apartment. Sein Roommate ist ein Asian American (Amerikaner mit asiatischem Aussehen), also gibt es zum Superbowl eine grosse Asian Invasion. Die Ladung an Essen, die jeder zu diesem Fernsehgrossereignis-Potluck mitgebracht hat ist überwältigend. Und zum ersten mal seit langer Zeit sehe ich wieder Leute vor einem Fernseher brüllen. Powerful.

Ich sehe mir das Spiel weniger wegen dem Spiel selbst an – die Regeln sind obszön kompliziert, und von uns Österreichern scheint nur der amerikanisierte Mario durchzublicken – sondern mehr wegen den grossartig lustigen und teilweise kraftvoll frauenfeindlichen Werbespots, die etwa alle zwei Minuten kommen. Ohne Übertreibung, für jede Spielminute gibt es fast eine Werbeminute.

Speziell beeindruckend ärmlich finde ich die Salatwerbung von Carl’s Junior

… und die Webhostingwerbung von Godaddy:

Noch mehr Superbowl Werbungen

Alle Superbowl-Werbungen im Überblick

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